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.: Geocaching auf Deutschlands größter Insel :.

Ruegencacher-Stammtisch-Interview 05/2012: heike_hgw

Es ist fertig, das Stammtisch Interview für Monat Mai. Auch die Cacherinnen der Region sollen hier natürlich zu Wort kommen. Heike_hgw hat viel zu erzählen! Also will ich euch nicht weiter auf die Folter spannen, hier kommt es. Viel Spaß beim Lesen!

 

 

 

Hallo Heike, schön, dass du dir für dieses Interview Zeit nimmst!

 

Gegenfrage, wie viel Zeit hast du mitgebracht. ;)

 

Oh ha, na das wird dann wohl diesmal etwas länger dauern ... ;)

 

Wie bist du zum Geocaching gekommen?

 

Ich war in Finnland im Urlaub, und habe mich dort mit einem Kollegen in Helsinki getroffen; dabei haben wir beschlossen, einmal zusammen einen Ausflug nach Tampere zu machen. Ich hab ihn gefragt, ob er auch eine Idee hat, was man dort tun kann, wo mein Hund Rocky dabei sein kann. Ich lasse ihn zwar auch mal eine kurze Zeit im Auto, wenn es nicht anders geht, aber sonst ist er immer dabei. Nun ja, es kam, wie es kommen musste... "Kennst Du Geocaching?" - "???" - "Na, das sind so Tupperdosen, die jemand versteckt hat, und die wir nun suchen können", erklärte er mir und erzählte ein bisschen von seinen bisherigen Founds; so um die 60 hatte er da. Irgendwie klang das verrückt, aber auch spannend.

 

Wir trafen uns am Bahnhof in Riihimäki, und er zeigte mir stolz den Pfeil auf seinem Garmin Etrex, der uns 72 Meter weiter zu meinem ersten Cache führte. Ich hatte angebissen. In Tampere verbrachten wir einen abwechslungsreichen Tag, manche Straßen liefen wir mehrfach ab, um 'Zwiebeln' und 'Ebenen über M' zu suchen, auch eine Treppe sind wir zu Rockys Leidwesen mehrmals rauf und runter, da die Anzahl der Stufen nicht zu der Formel in dem Multi passte (die wir mit einem Stein in den Dreck ritzten, weil keiner von uns einen Stift dabei hatte. Wieder zu Hause haben wir festgestellt, dass Handys auch über Taschenrechner verfügen. Aber dann wäre es nicht mal halb so lustig gewesen).

 

Diesen Cache haben wir übrigens nicht gefunden, aber ich hatte so viel gelacht wie schon lange nicht mehr und mir vorgenommen, mal zu gucken, wie es denn bei mir zu Hause mit Geocaching aussieht. In Greifswald selbst war damals nicht viel los, aber auf Usedom hab ich dann einen Teddy-Teufel nach dem anderen gemacht und viel dabei gelernt.

 

Wie kam der Nickname heike_hgw zustande?

 

Hm, ich bin Heike. Aber leider ist es ja nicht so einfach. Bevor ich hierher kam, habe ich in München gewohnt. Als klar war, dass der Beruf mich nach Greifswald verschlägt, habe ich mir eine Email-Adresse zugelegt mit heike_hgw. Und das hab ich dann auch für's Cachen genommen.

 

Was war dein erster Cache?

 

Das war 'Railway Station of Riihimäki', eine Filmdose an einem Eisenbahnpuffer. Das heißt, ich hab eigentlich nur zugesehen, wie mein Kollege sie hervorzauberte. Ich weiß auch nicht, was ich erwartet hatte, etwas mehr Spektakuläres? Unter einer Tupperdose hatte ich mir zumindest etwas Größeres vorgestellt. Schnell lernte ich, dass man eigentlich alles Mögliche als Cachebehälter und -versteck hernehmen kann. Und dass man offensichtlich doch ein bisschen anders drauf ist, wenn einem so etwas gefällt. Zu Hause hab ich schnell aufgehört, davon zu erzählen; schiefe Blicke waren noch die harmloseste Reaktion...

 

 

Lieblings-Tradi, Lieblings-Multi, Lieblings-Mystery? (auch außerhalb der Homezone, wenn es da welche gibt)

 

Das hättest Du mich lieber mal vor ein paar Jahren gefragt; jetzt fällt die Auswahl gar nicht so leicht. Beim Tradi entscheide ich mich auf jeden Fall für einen 'Ryckswimmer'; kann nur gerade nicht sagen, ob es eher der 'Oberlehrer' ist oder 'Ist das erlaubt?' Das sind einfach so Highlights, da packt mich jedes Mal der Neid: Diese Ideen, und dann die liebevolle Umsetzung...

 

Bei den Multis steht ganz eindeutig 'Panzerknacker - The sequel to Cachlein öffne Dich' ganz oben. Viele spannende Aufgaben, die alle in kurzer Entfernung voneinander in einem Waldstück zu finden sind, eine davon bei Nacht. Das hat einen ganzen Tag Zeit gekostet, aber ungemein Spaß gemacht. Die Aufgaben waren kniffelig, im Team aber gut lösbar. Da waren tolle Ideen dabei. Und die große Kiste mit 10 Schlössern konnte man gleich zu Beginn besichtigen; da war der Ehrgeiz natürlich groß, die auch zu knacken.

 

In der Homezone geht allerdings nichts über 'Meister Röhrich und das verlorene Schnüffelstück'.

 

 Kriegen wir die alle geknackt? ;)

 

Mystery, hm.... Da gibt es so einige mit guten Rätseln. Und rätseln macht Spaß! Ich glaube, hier muss ich 'Deal or No Deal' wählen. Das war noch ziemlich am Anfang meiner Cacher-Karriere. Da war das Lösen des Rätsels zwar nicht so schwer, aber als Anfänger musste man ja doch erst mal drauf kommen. Gespannt war ich dann auf den Outdoor-Part; ich hab gar nicht groß überlegt: Deal! Das Lustigste war dann aber der Versuch, an die Dose zu gelangen. Erst guckte sich Rocky noch so in der Gegend um, dann legte er sich genau daneben und schaute mir zu. Ich konnte ihm ansehen, was er in dem Moment dachte: Zweibeiner! Wie kann man nur so blöd sein und seine Knochen da hin tun, wo man nie wieder rankommt?

 

Darf ich hier auch noch einen zweiten? Besonders gut gefallen hat mir auch der 'Agent Brown und der verbotene Film' vom Bundesministerium für Cachesicherheit. Es hat eine Weile gedauert, bis ich hinter das Rätsel gekommen bin, aber die Suche nach der Lösung war recht kurzweilig. Einfach elegant! Und dann die eigentliche Suche mit Stationen, die alle spannend waren; von der Ausstattung mal ganz zu schweigen. Einfach klasse - Prädikat: Besser geht's nicht!

 

Was war dein bisher schönstes/abenteuerlichstes/aufregendstes/spannendstes/positivstes oder

ungeschicktestes Cacheerlebnis?

 

Da fällt mir spontan der 'Fiesling #1' von den Ryckswimmers ein. Die Ankündigung, eine Serie mit ganz gemeinen Verstecken zu legen, hat wohl bei uns allen ein Trauma mit Sehschwäche hervorgerufen, denn so fies ist es eigentlich gar nicht. Jedenfalls hat dieser Cache dazu geführt, dass ich mich zusammen mit Pilzkobold Hericium quasi unter der Brücke einquartiert habe, und unsere Wehklagen an die Owner haben dazu geführt, dass Lutz sich erbarmt hat und Heike losgeschickt hat, uns eine Box mit Verpflegung dort hinzustellen. Mittlerweile kamen dann Anfragen, ob man noch zustoßen könne, die Stachelbeerfrau bot an, Kaffee vorbeizubringen, ... Diese Eigendynamik, die der Cache entwickelt hat, war einfach herrlich!

Bestechung beim Fiesling

 

 

Dann machen wir eben ein Picknick

 

Was war dein erster gelegter Cache?

 

Der erste Cache, der unter meinem Namen läuft, ist die 'Lubminer Seaside'. Diesen Cache hab ich von fischlaufen adoptiert. Selbst gelegt habe ich dann den Multi 'Rund um Wusterhusen' mit Bonus; schon erstaunlich, was ein kleines Dorf so bietet, um einen Multi draus zu machen. Leider war hier das Problem, eine schöne Stelle für den Cache zu finden. Nachdem die Dose im Sommer unter Brennesseln vergraben war und im letzten Herbst dann ganz verschwunden war, habe ich den Cache archiviert.

 

Welches war die letzte Anschaffung für deine Cacherausrüstung?

 

Zum Legen: Eine kleine Dose mit UV-Lack für meinen Nachtcache 'Wanted! A night cache in Lubmin'.

 

Zum Cachen selbst: Da bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob es die Wathose war, oder der Surf-Stick. Beides wurde jedoch dringend für die Profiler-Serie benötigt, mittlerweile aber auch anderweitig eingesetzt.

 

 

Rocky im Boot - Wenn's sein muss, mach ich alles mit!

 

 

Bei welchem Cache hast du dich besonders schwer getan, evtl. mehrere Anläufe benötigt oder zunächst sogar einen DNF geloggt?

 

Da steht der eben erwähnte Profiler ganz oben. Ich glaube, Mandragora Vulgaris und ich waren knapp 1500 km und 10 Tage unterwegs. Hinzu kommt noch die Zeit zwischen den Trips, die wir zum Auswerten der neu gefundenen Hinweise benötigten. Ein toller Cache, der dem Suchenden eine Menge abverlangt. Was man aber als Owner alles investiert haben muss, um solch einen Cache zu legen, daran wage ich gar nicht zu denken. Hut ab, lieber Lex!

 

DNF logge ich auch schon mal, wenn ich wirklich intensiv gesucht und nichts gefunden habe. Ist doch keine Schande. Und es zeigt dem Owner und ggf. nachfolgenden Cachern, dass ein Problem vorliegen könnte. Auch als Owner freue ich mich über DNF: Ich laufe die meisten meiner Stationen zwar in regelmäßigen Abständen ab, aber es kann ja immer mal sein, dass etwas wegkommt.

 

Mit wem gehst du häufig zusammen auf Cachetour?

 

Am liebsten gehe ich immer noch alleine cachen, bzw. mit meinem Hund Rocky. Da kann ich mich ganz auf die Suche konzentrieren. Mittlerweile habe ich aber auch festgestellt, dass es in Gesellschaft ganz nett sein kann. Und natürlich sind da Caches wie 'Die Ruinen von Prora', die alleine gar nicht machbar wären.

 

In letzter Zeit bin ich des öfteren mit Pilzkobold Hericium und Bassist_Tom unterwegs. Aber auch mit anderen Greifswaldern wie den Ryckswimmers und Töffels, dem geoGreifer oder Mandra bin ich gerne auf Tour gewesen.

 

Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Truppe harmoniert. Wenn immer einer vorweg rennt und die Dose schon in der Hand hat, bevor man selbst anfangen kann zu suchen, macht es mir keinen Spaß.

 

Einmal im Jahr treffe ich mich mit meinen Münchner Freundinnen zu einem Cache-Wochenende. Wir suchen uns dabei eine Location aus, die von beiden Seiten aus in etwa gleich entfernt ist und für alle Neuland darstellt. Dabei kann dann jeder im Vorfeld seine Stärken beim Lösen von Mysteries einsetzen, und auch vor Ort hat jede von uns so ihre Vorlieben.

 

Schlimm sind dann so Nachfragen von Leuten, die mit Cachen nichts zu tun haben: "Was habt Ihr Euch in ... denn so angesehen?" "Äh... den schönsten Gulli, ein totes Signal und dann noch ein paar Kanalratten...." Gut, wenn man dann auch auf so schöne Wherigo wie 'The Old City of Dresden' zurückgreifen kann.

 

Ich helf doch gerne, wenn einer hoch hinaus will!

 

Gibt es einen Cache, den du unbedingt einmal machen willst oder eine Region in der du gerne einmal Dosen suchen willst?

 

Ich habe vor kurzem meinen ersten Wampenschleifer gemacht und kann mir gut vorstellen, dass da noch ein paar folgen werden. Die 'Mäusejagd' ist zum Beispiel ein ganz heißer Kandidat.

 

Ergänze folgenden Satz: Ich cache, weil …

 

... ich dabei immer wieder etwas Neues entdecke, an Orte gelange, die ich ohne Geocaching nie zu Gesicht bekommen hätte. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, es kann um alles Mögliche gehen; man kommt aus dem Staunen nicht heraus.

 

Worüber ärgerst du dich oder Was freut dich an unserem Hobby?

 

Toll, dass man wieder zum Kind wird und im Dreck spielen kann :-D Aber das Suchtpotential, was dahinter steckt ;-)

 

Ok, jetzt mal im Ernst: Das Schöne daran ist, dass man es jederzeit und überall machen kann. Wenn ich nun auf Dienstreise gehe, muss ich nicht mehr überlegen, ob ich mich abends alleine in eine Kneipe setze oder mich mit einem Buch im Hotelzimmer vergrabe; meist gibt es viel interessantere Alternativen.

Portugal
The Defense of the Empire

 

Original und Modell des Torre de Bélem in Lissabon

 

Und ob jung ob alt: Für jeden ist etwas dabei. Nach der Euphorie der ersten Jahre würde ich mich selbst mittlerweile als Genusscacher bezeichnen: Ich gehe cachen, wann und wo ich will. Ich suche mir gezielt die Caches aus, die ich machen mag. Und wenn ich keine Lust habe, lass ich es sein. Ich habe die Notifications abgestellt und lebe seitdem viel ruhiger, mögen in um mich herum auch noch so viele neue Dosen wie die Pilze aus dem Boden geschossen sein.

 

Statistik, Challenges, Powertrails? Sowas reizt mich einfach nicht. Für Andere scheint es hingegen eine Herausforderung zu sein, wenn man sonst schon alles gesehen hat. Ich stehe dem eher neutral gegenüber. Wenn das dann aber dahingehend ausartet, dass man Logs lesen muss wie: "Heute hatte ich ein Loch in meiner Matrix, deswegen bin ich dann mal losgezogen..." - da stellen sich mir die Haare auf. Auch, wenn es gar nicht böse gemeint ist, aber schon mal überlegt, wie demotivierend so ein Log für die Owner ist? Sie haben sich doch in den meisten Fällen viel Arbeit mit ihren Caches gemacht und diese nicht nur dafür gelegt, dass man ein Loch in seiner Statistik stopfen kann! Wenn es schon sein muss: Bitte verpackt es dann doch etwas netter :-)

 

Aber darüber ärgern? Jeder ist anders und fährt auf andere Dinge ab; das sollte man akzeptieren. Auch, wenn es nicht mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmt. Leben und leben lassen.

 

Wer mit Logs schummelt oder sich Koordinaten von einem Mystery geben lässt, der betrügt doch in erster Linie sich selbst und bringt sich selbst um den Spaß.

 

Wenn für jemanden die Hauptsache die Dosensuche an der frischen Luft ist und er nur mit 'TFTC' loggt, dann finde ich das völlig in Ordnung. Warum ihn nötigen, Romane zu schreiben?

 

Mysteries, die ich nicht lösen kann, oder Caches, die in 30 Meter Höhe oder Wassertiefe versteckt sind und an die ich nicht herankomme, muss ich doch nicht machen. Wozu darüber ärgern? Andere finden das toll und freuen sich drüber.

 

Für mich und meine Vorlieben gibt es noch genügend andere Caches. Nee, sich ärgern ist Zeitverschwendung: Es geht nicht um Leben und Tod, es ist ein Spiel!

 

Allerdings hört die Toleranz bei mir dann auf, wenn man das Geocaching in Verruf bringt. Ein Beispiel: Um zu einem Cache zu gelangen, musste man über einen Acker. Das ist im Winter kein Problem, und vermutlich hat der Owner den Cache auch zu der Jahreszeit gelegt. Als ich das erste Mal da war, stand das Getreide aber schon sehr hoch; und es gab leider auch keine Treckerspuren, die man hätte benutzen können. Also hab ich es sein gelassen. Kurz darauf sah ich dann, wie ein Auto hielt, zwei Leute ausstiegen und eine Schneise zum Cache schlugen. Im Log liest sich das dann so: "O.k., eigentlich sollte man sowas nur holen, wenn das Feld abgeerntet ist. Aber so oft kommen wir nicht in die Gegend und wenn man da ist, wird der auch gefunden. ... haben uns also durch dieses Haferfeld geschoben, fanden aber kaum eine Spur, um dem Objekt näher zu kommen. ... kam uns hinterher und hatte auch keine Idee. Irgendwann hatten wir die Faxen dicke und sind einfach "durchgebrochen".

Muss man sich dann wundern, wenn der Bauer sauer wird? Oder ein Förster, wenn Leute mitten in der Nacht auf Waldwegen, die für Kfz gesperrt sind, mit dem Auto da reinfahren? Dass die nach solchen Erfahrungen nicht gut auf unser Hobby zu sprechen sind, ist nicht verwunderlich. Oder wenn LP's auseinandergenommen werden, nach dem Motto: Ok, wenn's die Steckdose eh nicht ist, schraub ich die auch nicht wieder an, dann braucht der Nächste da gar nicht mehr zu suchen.

 

Da hört es für mich auf, und ja, über so etwas ärgere ich mich!

 

Bei welchem Cache war die Verletzungsgefahr am höchsten, und du hast dich später gefragt, ob der Log das Risiko wert war?

 

Wenn es da mal einen gab, muss ich das ganz tief verdrängt haben. Seit ich mir mal Anfang der 90er Jahre in einem Anfall von jugendlichem Leichtsinn in Kirgistan das Sprunggelenk dreifach gebrochen habe (die medizinische Versorgung war ein Abenteuer für sich - im Nachhinein würd ich sagen: Das war mein erster LP) und ich seitdem mit meinem Sport aufhören musste, bin ich vorsichtiger geworden und wäge das Risiko ab. Es ist zwar manchmal ärgerlich, wenn die Dose zum Greifen nah ist und der letzte Meter fehlt, aber da verzichte ich dann lieber. Ich bin froh und dankbar, dass ich entgegen aller Vorhersagen immer noch schmerzfrei herumlaufen kann; das setze ich nicht auf's Spiel.

Aufrecht gehen? Nein nein, auf allen Vieren geht's auch!

 

Du bist ja häufig in Finnland unterwegs und hast dort auch eigene Caches versteckt. Wie unterscheidet sich das Cachen dort im Gegensatz zu Deutschland? Wie sind die finnischen Cacher drauf? Versteckst du in Finnland anders als in Deutschland?

 

Sagen wir mal so: Während ich hier immer Angst habe, dass irgendjemand (ob Cacher oder Muggel) die Dose zufällig findet und entwendet, hab ich das in Finnland nicht. Es ist einfach alles viel weitläufiger, und da liegen viel zu viele Felsen etc. herum. Wenn unter jedem ein Cache liegen würde... Und selbst wenn jemand ihn zufällig finden würde, bin ich mir ziemlich sicher, dass er nicht wegkommen würde. Da sind ja auch die Haustüren in den seltensten Fällen abgeschlossen.

 

In Finnland gibt es viele Wanderwege und dort findet man auch Picknickplätze mit Feuerstellen und Unterstände (laavu: lean-on shelter), wo man auch übernachten kann. Da kann man eigentlich immer mal drunter gucken, ob sich ein Cache dort befindet. Diese sind auch eher frequentiert, während ich bei anderen Caches im April oder Mai oft der erste Logger in dem Jahr war.

 

Laavu - Ja, hier ist auch 'ne Dose drunter :-)

 

Ein Logbuch hält i.d.R. so lange, bis der Cache archiviert wird. Dort trägt man sich sparsam in eine Zeile ein mit Datum und Namen; manchmal findet man noch ein TFTC dahinter. Auch, wenn die Logbücher in Größe DIN A4 sind. Längere Logs zum Cache selbst habe ich dort noch nie gesehen.

 

Einen T5 zu legen ist in Finnland leicht. Und so einen wollte ich noch gerne in meiner Sammlung haben.

 

Ein T5? Welche Insel darf's denn sein?

 

Im Winter über's Eis

 

Cachesuche ist in Finnland natürlich anders als in Deutschland - wenn man mehr als nur Tradis machen möchte. Wie überall im nicht-deutschprachigen Ausland sind schon die Multis mysteriöser als ein Mystery, wenn man die Sprache nicht versteht. Und wer kann schon finnisch? 'Kiven alla' - unterm Stein - war das erste, was ich so gelernt habe. Mein Finnisch-Vokabelschatz wächst ständig, auch, wenn diese Worte für den Hausgebrauch eher nicht so nützlich sind ;-) Ich weiß noch, dass ich einmal mit Listing und Wörterbuch mitten im Wald stand und dachte: Ein Ohr siehst Du hier nicht. Aber auch keine Henkel. Und Entschädigung??? Hat dieses vermaledeite Wort vielleicht noch eine andere, sinnvolle Bedeutung?

 

Für mich war das ein Grund, meine eigenen Caches auch möglichst in englisch zu veröffentlichen. Manchmal ist es ja auch bei Tradis so, dass im Listing noch etwas Wichtiges erwähnt wird.

 

Und ansonsten hab ich festgestellt: Cachen ist immer und überall anders. Die erste Dose in einer anderen Gegend, von einem bisher unbekannten Cacher, ist immer eine Herausforderung. Wenn man von einem Cacher schon mehrere Verstecke gefunden hat und weiß, wie der Owner tickt, hilft das ungemein weiter.

 

Du bist ein großer Musikfan, was sich in sehr vielen deiner Caches widerspiegelt und Thema ist. Als Beispiel sei nur die großartige Serie: Music was my first Love genannt. Wie lange hast du dafür gebraucht, von der Planung bis zur Auslegung? Planst du in dieser Richtung Neues?

 

Oh, die Music-Serie war nur ein Abfallprodukt, ich habe mich zu der Zeit gerade mit irgendeinem der schrecklichen Greifswalder Fragezeichen gequält und mich gefragt, warum man nicht mal ein schönes Rätsel machen kann ;-) Nebenbei hab ich, wie eigentlich immer, Musik gehört, und so kam ganz schnell eins zum andern. Das Listing des ersten Caches war im Handumdrehen fertig. Ich hatte nur das Problem, dass ich nicht so viel Musik unterbringen konnte, wie ich eigentlich wollte, und das führte ganz schnell zu Nummer zwei. Das Zusammenstellen und -schneiden der Musik ging schnell, die Rätsel dazu erstellen, die Cover in Bilder zu packen etc., das hat schon etwas länger gedauert.

 

Mittlerweile stapelten sich dann aber Schallplatten, CDs und Cassetten, und mir war klar: Da kann ich noch lange mit weitermachen. So hab ich dann versucht, genügend Fragezeichen für eine M-Form zusammenzustellen (und somit für andere Cacher ein paar nervige Mysteries geschaffen), und darauf geachtet, verschiedene Musikrichtungen anzubieten. Trotzdem merkt man wohl, dass ich hauptsächlich auf Rock aus den 70ern stehe (an Zappa & Co. habe ich mich hier nicht herangetraut; der hat seinen eigenen Cache mit bisher einem Found, und das wird sich wohl auch in absehbarer Zeit nicht ändern). Am Schwierigsten war hierbei mal wieder, auch schöne Plätze für die Dosen zu finden; das ist mir leider nicht immer gelungen. Und das ist bis heute immer mein großes Manko. An Ideen mangelt es nicht, aber an schönen Finals.

 

Ideen kommen auch durch Fernsehberichte, wie beim 'Fliegenden Klassenzimmer'. Diese wahre Geschichte hat mich in ihren Bann gezogen und sehr nachdenklich gemacht. Eine Situation, in die man als 17-jähriger Schüler geraten ist und in der man eine Entscheidung treffen muss, deren Konsequenzen man ganz sicher nicht überblicken kann und die nicht nur das eigene Leben betreffen. Man stellt sich ganz spontan die Frage: Wie hätte ich reagiert?

 

Etwas Neues hab ich in Planung, aber noch nicht recht in Arbeit. Es wird wieder etwas Ähnliches werden wie '50 ways to leave your lover' oder 'Erkennen Sie die Melodie' - also ein Mystery mit mehreren Schritten, wobei ganz bestimmt auch Musik wieder eine Rolle spielen wird. Das wird aber noch ein Weilchen dauern, und da das Lösen bestimmt auch Zeit in Anspruch nehmen wird, ist es gar nicht mal so verkehrt, wenn er zum Winter herauskommt - wo es früh dunkel wird und man abends lange Zeit zum Knobeln hat.

 

Hast du Rocky eigentlich inzwischen aufs Dosensuchen abrichten können? Wäre ja manchmal ganz nützlich. ;) Er begleitet dich ja bei sehr vielen Touren. Oder ist ihm dieses verrückte Hobby inzwischen suspekt? ;)

 

Rocky ist immer gerne mit dabei, und ich glaube, so langsam wundert er sich über nichts mehr. Am liebsten sind wir im Wald unterwegs; Stadt oder auch LPs mag er nicht so. Das mit dem Abrichten hat leider nicht geklappt, obwohl ich es immer wieder versucht habe: Bei jeder gefunden Dose gab's ein Leckerchen. Aber es hat nichts geholfen; vermutlich mag er den Geruch von Plastedosen einfach nicht ;-) Die Auswirkungen sind jedoch geblieben: Bei einem Found kriegt er sein Leckerli. Und wenn ich Cache-Kontrolle mache, weiß er genau, wo es hingeht, setzt sich neben die Dose, wedelt mit dem Schwanz und schaut mich erwartungsvoll an. Er macht dann auch schon mal einen Kontrollgang, obwohl der gar nicht auf dem Plan steht ;-)

Und wo bleibt meine Belohnung?

 

Kannst du dir vorstellen, irgendwann einmal mit dem Cachen aufzuhören?

 

Ja, das kann ich tatsächlich: Wenn es nichts mehr gibt, was mich reizt. Sprich, wenn es nur noch Leitplanken-Micros gibt oder so Challenges wie: 1000 Caches in der Woche - um es mal überspitzt zu sagen. Für so etwas ist mir meine Zeit zu schade. Ich mache lieber einen schönen Cache, an den ich mich auch gerne in allen Einzelheiten zurückerinnere. Lieber Klasse statt Masse.

 

Aber so lange es noch Ryckswimmers, ruegenspass.eu, Wampenschleifer etc. gibt, ist dieser Tag zum Glück noch nicht in Sicht!

 

TB-Hotel im Baltikum

 

 

Heike, herzlichen Dank für die sehr ausführlichen Eindrücke!

 

Auch im nächsten Monat wird es natürlich wieder ein Stammtisch - Interview geben. Diesmal gebe ich mal keinen Tipp, lasst euch einfach überraschen.

 

 

 

 

Kommentare  

 
#3 GudrunDieterGB23 2012-06-08 16:21
Vielen Dank für dieses ausführliche und sehr gelungene Interview, über das ich mich sehr gefreut habe.
Bei unserer ersten Teilnahme an einem Stammtisch haben wir Heike kennenlernen dürfen, zu einer Zeit als wir absolute Neulinge waren, uns erst mit der Materie vertraut machen mußten und um viele Zusammenhänge noch nicht wußten.
Langsam tasteten wir uns dann an die Fragezeichen von Greifswald heran, haben durch die Caches von Heike viele schöne Musiktitel wieder gehört, die auch uns begleiteten, hatten eine ganz tolle Reise mit den Helden eines unserer Lieblings-Compu terspiele, haben S. wiedergetroffen und haben die Geschichte des fliegenden Klassenzimmers erfahren. Dieser Cache hat uns besonders beeindruckt, so daß wir anschließend den Film geschaut und auch das Buch gelesen. Ohne den Cache hätten wir wohl nie die unglaublichen Dinge erfahren, die passiert sind.
Hab weiter viel Spaß beim Cachen und knuddel Rocky ganz lieb. :-)
 
 
#2 AchimTeddy-Teufel 2012-05-31 12:46
Feines Interview, ich konnte nicht mehr mit dem Lesen aufhören. Dein letzter Cache echt spitze!!! Glückwunsch und danke. 8) Gruß, Achim

Fazit: Ich wünsche mich nach Finnland, denn hier haben wir gegenwärtig sehr mit Vandalismus zu kämpfen. Caches werden zerstört oder sind einfach nicht mehr da.
 
 
#1 RüganerPeter 2012-05-29 14:10
Hallo Heike_HGW

Ein sehr schöner Bericht ist das geworden. Hat echt viel Spaß gemacht ihn zu lesen.

Gruß Rüganer
 

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