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.: Geocaching auf Deutschlands größter Insel :.

Ein Interview mit Onkel Fedja

Unserem geschätzten Stralsunder Geocacher Glubosch war es ein besonderes Anliegen, dass die Rügencacher-Rubrik: "Ein Interview mit ..."  eine Neuauflage erfährt und nicht einschläft, vielen Dank dafür. Zum Neustart hat er sich einen ganz besonderen Geocacher an Land gezogen, (Ex-)Reviewer Onkel Fedja. Hier nun sein Gespräch mit ihm, viel Spaß! 

 

 

Lieber Friedel, Du warst ja immerhin stolze sieben Jahre für uns in Mecklenburg-Vorpommern als Reviewer tätig. Vor kurzem nun hast Du dieses Amt niedergelegt und hast Deinen wohlverdienten Ruhestand angetreten. Grund genug für uns, nach längerer Pause mal wieder ein Rügencacher-Interview durchzuführen und Deine Person mal etwas näher zu betrachten.

 

 

Fangen wir mal ganz vorne an. Wann und wie bist Du überhaupt zum Geocaching gekommen und welcher war Dein erster Cache?

 

Meine erste Berührung mit Geocaching war, als ich im Internet nach Karten für mein Garmin12 suchte, muß so Anfang 2003 gewesen sein. Ich fand das Spiel interessant, doch der nächste Cache befand sich gerade an einer Stelle, wo ich gestern erst gewesen war, der nächste 40 km weg und dann erst wieder in Berlin. Bei solchen Entfernungen war das nichts für mich.
Mitte August 2005 fragte mich mein damaliger Chef bei der Rückkehr von einer Dienstreise, ob ich Geocaching kenne, naja, sagte ich, mal kurz geguckt aber nicht so recht Lust drauf gehabt. Er sagte, das macht Spaß und inzwischen gibt es auch mehr Verstecke, also zogen wir gemeinsam los und es war tatsächlich eine gute Gelegenheit, unsere neue Heimat Fürstenwalde zu erforschen und Kerstin war froh, daß sie mich auf diese Weise mal hinter dem Schreibtisch hervorlocken konnte.

 

Unser erster Cache war

Traditional Geocache         Klamotten des Markgrafen by TJOPE | GCH7HJ |

Size: Regular           11/14/2003    found   08/24/2005

 

Danach haben wir selber angefangen Caches zu legen, es brauchte 16 Stück, bis die Berliner aus ihrer Hochburg herausgelockt waren. In dieser Zeit gab es so wenige Cacher und Caches, daß unsere Homezone zum Legen von Angermünde bis Frankfurt und fast bis Cottbus reichte. Inzwischen gibt es ja so viele lokale Cacher, daß solche Entfernungen nicht mehr nötig sind J

 

 

 

Was reizt Dich an diesem Hobby?

Der größte Reiz für uns war, daß wir, egal, wohin wir kamen (und ich war sehr oft unterwegs in ganz Deutschland),  immer ortskundige Leute hatten, die uns die schönsten Stellen schon markiert hatten. Wir brauchten keine Reiseführer und entdeckten Stellen, auf die wir sonst niemals aufmerksam geworden wären.

 

Gibt es auch irgendetwas, was Dir an diesem Hobby nicht gefällt?

Ja. Seit einigen Jahren ist es zu einer gewissen Beliebigkeit geworden, jeder will cachen und Caches legen, und dann gleich massenhaft, die Qualität ist enorm gesunken, die Enttäuschung bei dem, was man meist vorfindet überwiegt die Freude am Weg. Der alte Leitspruch „location, location, location“ wurde scheinbar ersetzt durch „höher, schneller, weiter, illegaler und mehr, mehr, mehr, Hauptsache viel, und davon mehr“.
Das ist auch der Grund, weshalb wir nur noch sporadisch cachen gehen und nur zu Caches, die wir aus guter Quelle empfohlen bekommen oder wo wir die Owner kennen.

 

 

Was war bisher Dein schönstes Erlebnis beim Cachen?

Ach, bei fast 10.000 Caches ist es schwer, besonders erinnere ich mich aber an eine Cache aus etwa 2009 oder so, einen großen Nistkasten, den man erst aufschrauben mußte und es kam ein Plastikarm herausgeklappt, auf dessen Handfläche die Dose lag und darauf ein krächzender Papagei.

 

 

Am meisten dürfte es unsere Leser sicher interessieren, wie man eigentlich Reviewer wird. Hat ein Interessent die Möglichkeit sich bei Groundspeak zu „bewerben“, gibt es Kriterien, die man erfüllen muß, gibt es ggf. auch Ausschlußkriterien und wer ist an der Entscheidung darüber letztendlich beteiligt?

Auch das hat sich geändert. 2009, zu der Zeit, wo ich Reviewer wurde, gab es keine Bewerbung oder so, Groundspeak sprach dich an oder ließ dich ansprechen, wenn sie Bedarf hatten und du irgendwie aufgefallen warst.

Heute könnte man sich theoretisch bewerben, geprüft wird man auf jeden Fall immer noch, doch der Bedarf an Reviewern ist eher rückläufig, da die Zahlen nicht mehr so stark wachsen wie noch vor einigen Jahren.

 

 

Wie wurde denn Dein Interesse an dieser Tätigkeit geweckt und wie lief diese Prozedur bei Dir ab?

Im Prinzip war es so: einer, der damals schon Reviewer war und mit dem ich öfter unterwegs war, rief mich abends an und sagte: „Willst du Reviewer werden? Hast 24 Stunden zum Überlegen. Tschüß.“

Da hab ich ja gesagt, wußte ja etwa, was auf mich zu kommt.

 

Wie kamst Du auf den Namen Onkel Fedja und wer oder was steht dahinter?

Eigentlich ganz einfach. Reviewer hatten manchmal einen zweifelhaften Ruf, zumal so wenig über die Tätigkeit bekannt war und viele auch den offenen Kontakt zu anderen eher scheuten, um nicht angefeindet zu werden, ist eben nicht immer einfach, auch mal Regeln durchsetzen zu müssen.
Also wollte ich offen sein und mir daher auch einen eher sympathischen Namen geben. Onkel erschien mir gut, als Respektperson aber freundlich. Da erinnerte ich mich an Djadja Fedja aus meinem Russischunterricht, zumal mich einige meiner damaligen Freunde auch Fedja genannt hatten. So kams zu dem Namen, und ich denke, daß es keine schlechte Wahl war
J

 

 

Kann sich ein neuer Reviewer seinen Zuständigkeitsbereich eigentlich selbst aussuchen oder wird einem dieser je nach Bedarf zugeteilt?

Theoretisch kann jeder alles und in den ersten Jahren war es auch so, so hat z.B. Eric praktisch den „Rest der Welt“ über viele Jahre reviewed. Inzwischen ist es aber praktisch und notwendig, daß man sich in der lokalen Reviewercommunity abstimmt, wer was macht. Meistens versuchen wir, eine lokalen Bezug zu haben und die Gegend und Leute zu kennen, sowie über lange Zeit hinweg konstant und gleichmäßig zu arbeiten.

 

Welche Erwartungen hat Groundspeak denn an seine ehrenamtlichen Helfer und wie läuft die Kommunikation mit Seattle? Gibt es regelmäßigen Kontakt oder kommuniziert man nur miteinander, wenn es Probleme gibt?

Klar gibt es Kontakte, heute auch über Foren und Mailinglisten und Treffen

doch meistens läuft alles ziemlich klar, und wenn es mal Diskussionsbedarf gibt, wird es schnell mit den anderen lokalen Reviewern oder Groundspeak geklärt.

 

 

Bekommt ein Reviewer eigentlich irgendeine Art Zuwendung für seine Arbeit, wie z.B. eine kostenlose Premium-Mitgliedschaft, Reviewer-Coins oder irgendwas anderes?

Naja, ne kostenlose Premium-Mitgliedschaft ist wohl schon erforderlich, ansonsten machen wir den Job freiwillig und für unsere Cachercommunity und nicht für Zuwendungen, auch wenn manchmal ne Coin oder ein T-Shirt drin sind J

 

 

 

Als Reviewer sieht man ja deutlich mehr als der „normale“ Cacher, wie z.B. Finalkoordinaten von Multis oder Mysteries. Wie ändert sich das eigene Cacheverhalten, wenn man ständig der Versuchung ausgesetzt ist, mal schnell nachzuschauen, wenn man zu Hause mit einem Rätsel oder draußen bei einer Station nicht weiterkommt?

Ach, daran gewöhnt man sich, außerdem ist das in den Bedingungen für Reviewer ganz klar geregelt. Wenn du jeden Tag etliche Caches ansiehst, bis zu einigen Tausend pro Jahr, geht es einfach an dir vorüber und du vergißt die Einzelheiten schnell wieder. Klar werden wir keine Mysteries als Erstfund machen, selbst wenn wir sie gelöst haben, einfach um Diskussionen zu vermeiden. Ansonsten ist es einfach eine Frage, wie ehrlich man mit sich und seinem Hobby umgehen will. Das entscheidet jeder für sich.

 

Ein Reviewer hat ja vor der Freigabe eines Caches zu prüfen, ob das eingereichte Listing auch den Guidelines entspricht. Aber wie war es, wenn Du selbst auf Dosensuche gegangen bist und bei einem Cache festgestellt hast, daß ein Owner es mit der Wahrheit nicht ganz so genau genommen hat? Warst Du in dem Moment nur friedelfindus, der den Cache ganz einfach geloggt hat und dann wieder seiner Wege ging oder „erwachte“ dann Onkel Fedja, der sogleich die „Reviewerkeule“ schwang?

Naja, anfangs dachte ich, daß das vielleicht trennbar wäre, aber letztlich ist auch das eine Frage der Ehrlichkeit. Als Reviewer habe ich Spielregeln durchzusetzen, die wir letztlich alle auch als Spieler anerkannt haben. Da wäre ich als Spieler auch unehrlich, wenn ich es übersehen würde. Andererseits habe ich als Reviewer auch einen gewissen Handlungsspielraum, und den habe ich meistens versucht weit zu halten.

 

Stichwort „Reviewerkeule“… Durch das Schwingen derselben, macht man sich ja mit Sicherheit nicht bei jedermann beliebt. Hast Du im Rahmen Deiner Tätigkeit negative Erfahrungen mit anderen Cachern machen müssen und ist Dir ggf. irgendwas als besonders schlimm in Erinnerung geblieben?

Ich hab als Reviewer versucht, gleichmäßig und gerecht zu arbeiten und nach Möglichkeit alles herauszuholen, was geht. Das heißt aber auch konsequent sein an Stellen, wo etwas nicht geht. Und wenn ich jemand dabei erwische, daß er mich reinlegen will, gibt’s eben mal ein Dudu und nen Archivknopf. Das heißt aber nicht, daß ich seinen nächsten Cache nicht genauso unvoreingenommen prüfe, wie von jedem anderen. Die wenigen Male, wo sich jemand uneinsichtig oder aggressiv zeigte, hab ich inzwischen vergessen J

 

 

Wie verhält sich Groundspeak in solchen Situationen? Es kann ja durchaus eine Gratwanderung sein, sich zwischen seinen ggf. zahlenden Kunden und seinen Helfern entscheiden zu müssen. Gibt es da eine grundsätzliche Tendenz in eine Richtung oder wird das tatsächlich einzelfallbezogen und „unabhängig“ (soweit das als Seitenbetreiber überhaupt geht) entschieden?

Hihi, ich glaube nicht, daß Groundspeak allein von den Jahresbeiträgen leben könnte, insofern ist das mit den zahlenden Kunden so eine Sache J

Die Situation ist hier aber völlig klar: Groundspeak ist der Seitenbetreiber und macht die Spielregeln, alle Spieler haben sie anerkannt. Groundspeak hat die letzte Entscheidung, hört aber gewöhnlich beide Seiten an, und es ist völlig offen, wie man sich dort entscheidet, habe beide Richtungen schon oft erlebt. Ich finde es auch nicht als Schande, wenn meine Entscheidung von Groundspeak revidiert wird, vielleicht sehen die es einfach unkomplizierter oder anders.

 

Gab es denn andererseits auch besonders schöne Momente für Dich als Reviewer? Falls ja, was wäre da erwähnenswert?

Ach, die gibt es immer wieder, vor allem, wenn man gute Kontakte hat und sich die Leute freuen, wenn sie dich treffen bei Events oder so. Das halte ich auch besonders wichtig, weil wir naturgemäß mehr mit den (wenigen) kritischen Caches zu tun haben, da kommt man schnell in nen negativen Eindruck. Meine Kerstin hat dann immer gesagt, guck doch nicht auf die drei Caches/Owner, die dich jetzt so aufregen, auch wenn du Stunden damit verbracht hast, sondern auf die paar hundert, die du wortlos glücklich gemacht hast. Recht hat sie, aber von denen bekommt man am wenigsten Feedback.

 

Wann und vor allem warum hast Du beschlossen, Dein Amt niederzulegen?

Ich hatte die Chance, letztes Jahr beruflich in Ruhestand zu gehen. Die neu gewonnene Freizeit wollte ich dazu nutzen, öfter und länger in meiner zweiten Heimat Tanzania zu sein. Da ich dann aber oft über Wochen unterwegs bin, wollte ich kein festes Reviewergebiet mehr haben, da ich eine kontinuierliche Arbeit nicht garantieren kann, aber gern als Berater und Urlaubsvertreter dabeibleiben. Groundspeak hat das anders gesehen und wollte lieber ganz-oder-gar-nicht. Das ist für mich völlig ok, also hab ich mein siebentes Jahr noch fertiggemacht und ab 1.8. 2016 aufgehört mit der offiziellen Arbeit. Klar stehe ich weiter mit anderen Reviewern und ggf. auch mit Groundspeak in Kontakt, aber nicht mehr mit Reviewerrechten und -pflichten bei Caches.

 

am APE Cache!

 

Könntest Du Dir vorstellen, Deine Reviewertätigkeit irgendwann wieder aufzunehmen oder ist dieses Kapitel für Dich endgültig abgeschlossen?

Ich sag lieber nicht nie. J Ich würde erst drüber nachdenken, wenn ich gefragt würde, doch es sind genug gute Reviewer da und es werden langfristig weniger gebraucht, und solange sich an meinem Zeitmanagement nicht arg etwas ändert, würde es schwer sein.

 

Was war Deine letzte „Amtshandlung“ als Onkel Fedja?

Der letzte veröffentlichte Cache war GC44490_stralsunds-archiv,  eine Verabschiedungsmail und die Änderungen in meinen Mail-Signaturen und im GC-Profil. Ich bleibe als OnkelFedja weiterhin erreichbar und ansprechbar, habe aber keine Möglichkeit mehr, Caches als Reviewer anzusehen oder zu bearbeiten.

 

Alles in allem betrachtet, was hast Du für Dich selbst aus sieben Jahren als Reviewer mitgenommen?

Ich hab viel über andere und auch über mich gelernt. J

 

Gibt es noch irgendwas, was Du den Cachern in M-V mitteilen möchtest? Hier ist Deine Gelegenheit dazu.

M_V ist meine Reviewerheimat gewesen und ich fühl mich immer noch mit Euch und Euren Caches verbunden. Es hat riesig Spaß gemacht, und ich komm gern wieder, sei es als Cacher oder einfach als Freund.

 

 

Vielen Dank für dieses Interview!

 

 

 

Kommentare  

 
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